1984

 

"Das Predigen totalitärer Doktrinen hat eine Schwächung des Instinkts zur Folge, durch den freie Menschen erkennen, was gefährlich ist und was nicht."

(George Orwell)

 

 

Zitate aus "1984"

 

Es war ein offenes Geheimnis, dass üblicherweise alle Briefe vor der Zustellung geöffnet wurden.

( = Inoffizielle Postkontrolle des MfS, ohne Genehmigung einer Staatsanwaltschaft )

Aber es bestand immer die Gefahr verborgener Mikrophone, die eine Stimme auffangen und so zur Feststellung des Sprechers führen konnten.

(Wanzen“ der Stasi, sogar in Privatwohnungen installiert, waren keine Seltenheit).

Die Gedankenpolizei hatte ihn sieben Jahre lang wie einen Käfer unter einer Lupe beobachtet.

( = Operative Personenkontrollen und Operative Vorgänge gegen unbescholtene Bürger, oftmals nur wegen eines vagen Verdachts einer „negativ-feindlichen Einstellung“).

Gedankenverbrechen nannten sie es. Gedankenverbrechen konnte man auf Dauer nicht geheim halten.

( = zu „Gedankenverbrechen“ zählte in der DDR sogar das Verbreiten einer bestimmten Art politischer Witze (in denen sich das Volk über Partei- und Staatsfunktionäre sowie die „sowjetischen Freunde“ lustig machte. Derartige Handlungen konnten als „staatsgefährdende Hetze“ bzw. „Staatsverleumdung“ strafrechtlich verfolgt werden).

Das Familienleben war in Wirklichkeit zu einer Erweiterung der Gedankenpolizei geworden, zu einem Mittel, um jedermann Tag und Nacht von intim vertrauten Angebern bespitzeln zu lassen.

( = Durch die Öffnung der Stasiakten wurde sichtbar: nicht nur ein Freund, Kollege oder Nachbar, nein, sogar ein Bruder, eine Schwester, ein Vater, eine Mutter, ein Onkel, eine Tante, eine Verlobte, ein Schwager oder Cousin war ein Stasispitzel, der nicht davor zurückschreckte, nahe Angehörige zu denunzieren. Was? Das ist an den Haaren herbeigezogen?

Fragen Sie unter baldur@antsta.de nach und Sie bekommen Beispiele genannt).

Mit elf hatte er seinen Onkel bei der Gedankenpolizei angezeigt, nachdem er eine Unterhaltung belauscht hatte, die ihm verbrecherische Tendenzen zu haben schien.

( = wie vorhergehender Punkt).

„Wer hat Sie angezeigt?“, fragte Winston. „Es war mein Töchterchen“, sagte Parson.

( = wie beide vorhergehende Punkte).

Nichts in Ozeanien ist leistungsfähig – außer der Gedankenpolizei.

( = der zweitgrößte Arbeitgeber in der DDR war (nach der Nationalen Volksarmee) das Ministerium für Staatssicherheit mit – bis zuletzt– fast 100 000 hauptamtlich Beschäftigten und fast doppelt so vielen „patriotischen Kräften“, wie die Inoffiziellen Mitarbeiter genannt wurden).

Nachts holen sie einen, immer in der Nacht. Das Richtige war, sich umzubringen, ehe sie einen abholen.

( = Verhaftungen nahm die Stasi in der Regel in den frühen Morgenstunden, nicht selten am Arbeitsplatz, vor. Dabei stellten sich die in Zivil auftretenden Leute als Angehörige der „Kriminalpolizei“ vor und forderten auf, „zur Klärung eines Sachverhalts“ mitzukommen).

Jetzt, zum erstenmal bestand die Möglichkeit, allen Untertanen nicht nur vollkommenen Gehorsam gegenüber dem Willen des Staates,sondern auch vollkommene Meinungsgleichheit aufzuzwingen.

( = Vor allem in den beiden ersten Jahrzehnten des Bestehens der DDR waren in den Untersuchungshaftanstalten des MfS körperliche Misshandlungen nach Gestapo-Manier keine Seltenheit. Später ging man dazu über, Häftlinge psychisch zu bearbeiten und Geständnisse mehr durch Nötigungen zu erpressen. Obwohl nach der Strafprozessordnung der DDR jeder Untersuchungsgefangene von Beginn des Verfahrens an, Anspruch auf einen Rechtsbeistand hatte, konnten politische Häftlinge davon nur träumen).

Wir werden Sie leer pressen und dann mit unserem Gedankengut füllen.

( = wie vorhergehender Punkt).

Was immer die Partei für Wahrheit hält, ist Wahrheit.

( = Kommentar überflüssig).

Es ist unmöglich, die Wahrheit anders zu sehen als mit den Augen der Partei.

( = Wie vorheriger Punkt).

Zu guter Letzt würde die Partei verkünden, daß zwei und zwei gleich fünf sei, und man würde es glauben müssen.

( = Wie vorheriger Punkt).

Einen unpassenden Ausdruck im Gesicht zu zeigen (zum Beispiel ungläubig dreinzuschauen, wenn ein Sieg verkündet wurde) war jedenfalls schon an sich ein strafbares Vergehen.

( = Wer in der DDR zu erkennen gab, sich nicht für Politik zu interessieren (und damit für den Aufbau des Sozialismus und den Klassenkampf gegen den Imperialismus) galt als jemand, bei dem das „sozialistische Bewusstsein“ noch unterentwickelt war).

Immer mit den Wölfen heulen, ist meine Parole. Es ist die einzige Möglichkeit, ungeschoren zu bleiben.

( = Eine auch in der DDR viel praktizierte Methode, so tun als ob ... Da hatte maneinigermaßen Ruhe und lief weniger in Gefahr, von der Stasi als „feindlich-negative“ Person eingestuft und beobachtet zu werden).

O’Brien: Wir vernichten nicht nur unsere Feinde, sondern machen andere Menschen aus ihnen.

( = Das trifft auch auf den SED-Staat zu, der in erster Linie eine „Weltanschauungs- und Erziehungsdiktatur“ war. Vor allem bei jüngeren Menschen, die aus politischen Gründen straffällig geworden waren, setzten die Machthaber darauf, diese in ihrem Sinne umzuerziehen und willfährige Untertanen aus ihnen zu machen. Das gelang auch in zahlreichen Fällen, zumal die meisten Betroffenen nach der Grenzsicherung vom 13. August 1961, keine Flucht in den Westen wagten, weil sie ihr Leben nicht aufs Spiel setzen wollten).

Die Macht besteht darin, Schmerz und Demütigungen zufügen zu können. Macht heißt, einen menschlichen Geist in Stücke zu reißen und ihn nach eigenem Gutdünken wieder in neuer Form zusammenzusetzen.

( = Wer als einer der auf mehr als 200 000 geschätzten politischen Häftlinge der SED-Diktatur zwischen 1949 und 1990 in Bautzen, Torgau, Waldheim, Bützow und anderswo, in einem der zahlreichen Haftarbeitslager oder im Frauenzuchthaus Hoheneck im Erzgebirge Jahre seines Lebens verbringen musste, kann Orwell auch in diesem Punkt nur zustimmen. Zu vergessen sind nicht die unschuldigen Opfer (es waren nicht alle Kriegsverbrecher und Nazis!) die von den Sowjets in ihrer Besatzungszone oftmals willkürlich, auf bloßen Verdacht oder eine unbegründete Denunziation hin, verhaftet wurden und unter Misshandlungen „Verbrechen“ zugaben, die sie gar nicht begangen hatten).

Winston Smith zu O’Brien: Es gibt nichts, was ich nicht gestehen würde, nichts! Sagen Sie mir, was es sein soll und ich gestehe es auf der Stelle ... Schreiben Sie es nieder und ich unterschreibe – alles!

( = Körperliche Misshandlungen, psychischer Terror und Nötigungen zu Aussagen waren in den Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit (berüchtigt war das „U-Boot“ in Berlin-Hohenschönhausen) - aber auch in Strafvollzugsanstalten - keine Seltenheit. Wenn nach 1990 Anzeigen von Misshandlungsopfern gegen Täter durch die nun gesamtdeutsche Justiz in den meisten Fällen eingestellt wurden, sodeshalb, weil es den Betroffenen kaum einmal möglich war, Beweise vorzulegen oder Zeugen zu benennen. Man kann davon ausgehen, dass bei derartigen Übergriffen andere Häftlinge nicht zuschauen durften. Und eine Narbe konnte man sich auch durch einen Unfall zugezogen haben. Deshalb fällt es ehemaligen MFS- und Volkspolizei-Angehörigen des DDR-Strafvollzugs auch leicht, heute öffentlich zu behaupten, Berichte von Misshandlungen seien erfunden.