Eine deutsche Karriere: Waffen-SS, treuer SED-Genosse und Stasi-Spitzel
Gerbergasse 18 Heft Nr. 19 (4 / 2000)
Bereits 1952 verpflichtete sich der 1920 geborene „Gustav“ als GI (Geheimer Informator) aus Überzeugung zur inoffiziellen Mitarbeit für das MfS. In den 33 Jahren seiner Spitzel-Tätigkeit durchlief er so gut wie sämtliche „Dienstgrade“, die dabei vergeben wurden und brachte es bis zum FIM (Führungs-IM) mit dem Decknamen „Hans Wendland“.
Nach fast fünf Jahren Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion, war aus dem einstigen Angehörigen der Waffen-SS ein roter Fanatiker und Anhänger Stalins geworden. Zunächst trieb er Anfang der 50-er Jahre sein Unwesen in Gera in der Verwaltung der Gewerkschaft (FDGB), danach im Felgenwerk der Kleinstadt Ronneburg. Hier sorgte er für die „Entlarvung“ von Kollegen, die angeblich „sozialdemokratisches Gedankengut“ zu verbreiten versuchten. Die Mitglieder der „staatsfeindlichen Gruppe“ wurden verhaftet und zu Zuchthausstrafen verteilt.
Die weiteren Stationen waren das Theater „Bühnen der Stadt Gera“ und das Kulturhaus der Landgemeinde Kaulsdorf im Kreis Saalfeld, dem er als Leiter vorstand. Selbst einige Zeit Mitglied des Schriftstellerverbandes, bespitzelte er u. a. Autoren, Kultur- und Kunstschaffende, Beschäftigte und Besucher seines Kulturhauses, als Gemeinderatsmitglied den Gemeinderat und Einwohner des Kreisgebietes. Als FIM (Führungs-IM) führte er zeitweilig bis zu 12 andere Spitzel, leitete sie an und reichte ihre Berichte an die MfS-Kreisdienststelle weiter. Durch sein Wirken trug er mit dazu bei, dass mehr als 20 Menschen von der Stasi verhaftet und in politischen Prozessen von Gerichten abgeurteilt wurden.