kasper

 

„Die Leute, die Verhaftungen vornehmen, sprechen auch Recht und üben den Strafvollzug. Der Kreis ist geschlossen: Exekutive, Gesetzgeber, Untersuchungsrichter, Gericht und Strafvollzug werden von denselben Leuten gelenkt."

(Milovan Djilas)

 

 

Der Kasper war kein Staatsfeind

TLZ Jena vom 3. Januar 2002:

Bericht über eine Einstufungsveranstaltung

Von Rudi Fuchs

Jena. (tlz) am 18 November 1986 informierten die beiden inoffiziellen Mitarbeiter des MfS mit den Decknamen „Hans Krahl“ und „Graul“ ihre Genossen von der Stasi-Kreisdienststelle, dass sie eine „Einstufungsveranstaltung“ des Puppenspielzirkels am Kulturhaus Lobeda kontrolliert hätten. Die Laien-Puppenspieler waren mit zwei Märchen für Kinder aufgetreten. Technisch sei alles ganz gut gelöst gewesen, lediglich die männlichen Darsteller seien noch mit einigen sprachlichen Problemen behaftet. Deshalb könne die Gruppe von der Jury auch nur mit der „Grundstufe“ bedacht werden. Das bedeutete, dass sie mit den beiden Stücken nur im Stadtgebiet von Jena auftreten durfte und stets die Kulturhausleitung informieren musste. Um eine Kontrolle zu gewährleisten, wurde die Kollegin (Name geschwärzt) von der Volks-Kunstschule als Mentor eingesetzt. Die Laienkünstler durften pro Auftritt und Person vier Mark Honorar berechnen. Wörtlich heißt es in der Information: Beide Quellen schätzen ein, dass der Puppenspielerzirkel inhaltlich kaum politisch negativ in Erscheinung treten kann, da das Ganze und die Zuschauer (Kinder) das nicht hergeben.

Hätte Kasper seine obligatorische Frage an die kleinen Zuschauer: „Seid Ihr alle da?“ ergänzt durch: „Auch die Stasi-Spitzel?“ – dann hätten er, Gretel, der Teufel, das Krokodil und der Polizist wohl ein totales Auftrittsverbot ausgesprochen bekommen. (Akte: BStU, ASt. Gera, X 655/79) ...