mielke

 

 

„Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends.”

(Winston Churchill)

 

Touristen mit der Lupe ausgesucht

Aus dem Heft 21 (2/2001) der "Gerbergasse 18".

Auslandsreisen, mitunter sogar in Länder des so genannten Nichtsozialistischen Wirtschaftssystems (NSW), waren nur auserwählten, politisch zuverlässigen Jugendfreunden gestattet. Dennoch blieben die Machthaber der SED-Diktatur misstrauisch. Mit den Reisegruppen fuhren Stasispitzel mit. Minister Erich Mielke forderte in der Dienstanweisung 4/75 gründliche Ermittlungen zu Personen, die Interesse an Reisen ins kapitalistische Ausland signalisierten.

Auszug aus dem Betrag: ... Der hauptamtliche IME (inoffizieller Mitarbeiter im besonderen Einsatz „Frank Pauls“ (Norbert Piehler, Akte BStU/Gera: X 475/69) bezog neben seiner offiziellen Tätigkeit als Leiter eines Geraer Kulturbüros ein zweites Gehalt vom Ministerium für Staatssicherheit, das sich ebenfalls sehen lassen konnte. Im Dezember 1970 war er Leiter einer DDR-Reisegruppe nach Bulgarien und dabei auch Berichterstatter für die Firma „Horch & Guck“. Er verfasste einen detaillierten Bericht über die Reise selbst und jeden der fünfzehn Teilnehmer. Aus den Unterlagen, die ihm zur Verfügung standen, wusste er, wer Mitglied der SED, einer Blockpartei oder gesellschaftlichen Organisation war. Beruf, Familienstand, Interessen, charakterliche Eigenschaften, Äußerungen und Verhaltensweisen während der Reise – „Frank Pauls“ erwies sich durch seine aufwendige konspirative Tätigkeit eines zweiten Gehalts und der häufig ihm zugedachten Geldprämien durchaus als würdig.

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