Wechselvolle Karriere im Dienste der Mielke-Truppe und der DDR-Kultur
"Gerbergasse" Heft Nr. 16 (1 / 2000)
IM „Hugo“ verdiente sich schon seine ersten Sporen in der konspirativen Arbeit im Alter von 16 Jahren, indem er regelmäßig über die anderen Mitglieder der FDJ-Gruppe seines Wohnortes Steinheid im Thüringer Wald Berichte für die Stasi schrieb. Als Soldat an der „Staatsgrenze der DDR“ zu Bayern war er für den Militärischen Abschirmdienst (MfS) tätig und bespitzelte Kameraden und Vorgesetzte. Nach dem Studium der Germanistik wurden u. a. Mitarbeiter der Universität Jena, Kultur- und Kunstschaffende (vor allem Schriftsteller) Thüringens und ausländische Teilnehmer von Germanistik-Sommerseminaren in Weimar seine Opfer. Er berichtete der Stasi über seine Reisen in sozialistische Länder, wurde vom „Organ“ aber auch in die Schweiz und die Bundesrepublik beordert, wo er sogar über Zufallsbekanntschaften Spitzelberichte verfasste. Höhepunkt und Abschluss seiner IM-Karriere war die „Delegierung“ nach Finnland – offiziell als Gastdozent und Lektor für deutsche Sprache und inoffiziell als Spion, der über alles zu berichten hatte, was er im „feindlichen Operationsgebiet“ zu sehen und zu hören bekam.