Wie die Stasi 1952 Staatsfeinde ersann und bestrafen ließ.
Zwölf junge Männer, ein Freundeskreis in der Kleinstadt Ronneburg bei Gera, wurden durch eine Verstrickung unglücklicher Umstände 1951 zu Opfern falscher Verdächtigungen. Der Stasi und der SED-Justiz ging es darum mit einem inszenierten politischen Prozess ein Exempel zur Abschreckung zu statuieren. Ihnen wurde vorgeworfen, als Teilnehmer der Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1951 in Ostberlin, bei einem Besuch im Westteil der Stadt mit dem Mitarbeiter einer „Agentenorganisation" in Verbindung getreten zu sein. In der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Weimar (vor der Aufteilung der DDR in Bezirke noch für ganz Thüringen zuständig) wurden die Beschuldigten durch Nötigungen und Gewaltanwendungen, die während dieser Zeit bei der Stasi durchaus noch üblich waren, zu falschen Aussagen gezwungen. Dem angeblichen Rädelsführer, Roland Liebold, zerschlug der Leiter der Abteilung IX der MfS-Landesverwaltung Thüringen (Kurt Koch) das Nasenbein.
Das damalige Landgericht Gera verurteilte die Freunde im Mai 1952 in einem Schauprozess zu Zuchthausstrafen zwischen zwei und acht Jahren sowie zu Sühnemaßnahmen. Die Opfer mussten dazu herhalten, die Gefahren, die der DDR durch westliche Geheimdienste drohten, zu Propagandazwecken aufzubauschen.
„Gerbergasse 18", Heft 37 (2/2005).