ulbricht

 

"Wer reitet so spät durch Nacht und Rüben? Das ist der Erich, der will nach drüben. Er erreicht die Mauer mit Müh’ und Not - Scheiß Schießbefehl, jetzt ist er tot."

(unbekannt)

 

„Kennen Sie den?“

Politische DDR Witze, nicht nur schmunzelnd betrachtet.
In diesem Beitrag werden Einstellungen und Verhältnisse der Machthaber der SED-Diktatur gegenüber politischen Witzen, die in der DDR weit verbreitet waren und viel erzählt wurden, untersucht. Die heute weit verbreitete Ansicht, politische Witze seien zu DDR-Zeiten selbst von hochrangigen Partei- und Staatsfunktionären im Stillen belächelt worden, beruht auf einem Irrtum. In der sowjetischen Besatzungszone und der DDR (nicht nur auf die Anfangsjahre bezogen) wurden Menschen wegen der Verbreitung politischer Witze zu Freiheitsstrafen verurteilt – ebenso wie es während der Hitlerdiktatur und Naziherrschaft in Deutschland der Fall war. Wer daran zweifelt, dem sei ein Zitat aus der DDR-Zeitschrift „Neue Justiz“, Nummer 6, zweites Märzheft 1963, nahegebracht. Der Oberrichter am Obersten Gericht der DDR, Fritz Mühlberger, schreibt darin:
„Die Voraussetzungen für die Anwendungen der Tatbestände der staatsgefährdenden Propaganda und Hetze und der Staatsverleumdung sind sorgfältig zu prüfen. Ähnlich wie bei der Verbreitung von Hetzsendungen ist die Problematik der strafrechtlichen Beurteilung der Verbreitung einer bestimmten Art objektiv diskriminierender ‚politischer Witze’. Auch hier gelten die für die Hetze allgemein entwickelten Merkmale und Kriterien.“
Untersucht werden 13 nach 1990 in den neuen Bundesländern erschienene Publikationen in Buchform mit politischen DDR-Witzen. Die Bilanz stimmt nachdenklich. Nur in einem Buch geht der Autor auf die Tatsache ein, dass auch in der DDR Menschen wegen des Erzählens politischer Witze zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Es handelt sich um: Ralph Wiener: Hinter vorgehaltener Hand. Der politische Witz in Deutschland, Militzke Verlag Leipzig 2003.
Übrigens, das ist kein Witz: Nach Meinungsumfragen (2008) in den neuen Bundesländern ist ein Drittel der Ostdeutschen der Meinung, die DDR sei keine Diktatur gewesen.
„Gerbergasse 18“, Heft 50 (3/2008).

siehe auch: "Freiheitsstrafe für Witze"